Presse
02.08.2017, 11:00 Uhr | Übersicht | Drucken
Flucht, Vertreibung und Integration sind aktuelle Themen
MdB Norbert Barthle begrüßte den Vertriebenenchef Dr. Bernd Fabritius in Schwäbisch Gmünd


Nicht immer trifft der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), der CSU-Abgeordnete Dr. Bernd Fabritius, bei seinen zahlreichen Vorträgen auf ein so volles Haus: Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Refektorium des Predigers, um dem Vortrag „Flucht, Vertreibung und Integration – gestern und heute“ zu lauschen und mit dem Referenten zu diskutieren. Eingeladen hatte der Gmünder Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Norbert Barthle zusammen mit dem Verein „Brücke nach Osten e.V.“


Das Thema Flucht und Vertreibung ist spätestens seit dem Jahr 2015 wieder im Fokus der öffentlichen Diskussion. Dabei tritt oft in den Hintergrund, dass es auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine immense Zahl an Vertriebenen aus den ehemaligen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa gab. Barthle stellte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Veranstaltung heraus, um das Thema Heimatvertriebene wieder in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Vorsitzende des Vereins „Brücke nach Osten e.V.“, Frank Metschies, verdeutlichte ebenfalls die Notwendigkeit, die bis heute ausbleibende intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zu befördern. Zudem hob er die Bedeutung der Heimatvertriebenen für Deutschland, gerade auch für die Stadt Schwäbisch Gmünd hervor.

Auch der Gast, Dr. Bernd Fabritius, bezog sich zu Beginn seines Vortrages auf den Beitrag der Vertriebenen zum Wirtschaftswunder und zum stabilen demokratischen Rechtsstaat. Mit Blick auf die Aktuelle Debatte um Flucht und Integration stellte Fabritius fest, dass das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen in jüngster Zeit eine Renaissance erlebt. Es sei gut, dass das Thema Flucht und Vertreibung wieder im Mittelpunkt stehe, „damit wir auch in Deutschland wissen, was ein Teil des deutschen Volkes erlebt hat“. Er unterstütze dabei ausdrücklich die von Kanzlerin Angela Merkel verfolgte Flüchtlingspolitik. Der Satz „wir schaffen das“ zeige eine Einstellung, die unserem christlichen Menschenbild entspreche.

Gleichzeitig betonte er jedoch auch, dass die heutige Situation in vielerlei Hinsicht nicht mit derjenigen der Heimatvertriebenen vor 70 Jahren gleichzusetzen sei. Die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen hätten zum Beispiel neben derselben Sprache über gleiche Wertvorstellungen und vergleichbare berufliche Biographien verfügt. Ein weiterer wichtiger Unterschied sei der Anteil derjenigen, die unbedingt und ohne Einschränkung nach Hause wollten. „Haben wir heute 80% der Flüchtlinge die unbedingt nach Hause wollen? Ich denke, das dürfen wir durchaus in Frage stellen“. Das Ziel heutiger Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, bestehe hingegen sehr oft darin, woanders ein besseres Leben zu führen.

Schließlich hob Bernd Fabritius die Verbandserfolge des BdV, wie den nationalen Gedenktag für die deutschen Vertriebenen, die Schaffung der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ und die Entschädigung für die zivilen deutschen Zwangsarbeiter, hervor. Es gebe aber auch noch einige Herausforderungen, die man anpacken müsse. Beispielhaft nannte Fabritius die personenkreisspezifische Altersarmut bei Spätaussiedlern oder die Kulturförderung. „Die Kultur der deutschen Heimatvertriebenen ist Teil des gesamtdeutschen kulturellen Erbes“, so Fabritius, die deutschen Heimatvertriebenen seien aber nicht in der Lage, dieses kulturelle Erbe alleine zu pflegen. Hier würde man mehr institutionalisierte Kulturarbeit benötigen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl appellierte der Vertriebenenpräsident – auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Vergangenheit in Rumänien – an alle Anwesenden, das Wahlrecht als essentielles demokratisches Gut wahrzunehmen. In der anschließenden Diskussion stellten sich Barthle und Fabritius den Fragen und Anmerkungen der Gäste. Gekonnt und mit viel Fachwissen untermauert konnten so einige wichtige Fragen zum Thema Heimatvertriebene beantwortet und Klarheit in die oft sehr undurchsichtige Rechtslandschaft gebracht werden.

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